Grenzen ziehen
Samstagabend in einer Bar:
Ich treffe auf altbekannte Gesichter und mir vollkommen unbekannte.
Man erhebt sich, begrüßt sich. Die mir bekannten Menschen grüße ich gerne mit Handschlag, Umarmung, Küsschen links, Küsschen rechts; den Neuen hingegen reiche ich nur meine Hand, mehr nicht, stelle mich aber freundlich mit Namen vor. Ich spüre die leichte Irritation bei meinem Gegenüber, aber ich mag einfach nicht jedem gerne meine Wange hinhalten. Warum auch? Warum sollte ich so viel Nähe zu Menschen zulassen, mit denen ich vorher wirklich noch nie ein Wort gewechselt habe. Ich stehe zu meiner Grenze.
Nähe. Mir wurde oft gesagt, dass ich distanziert wirke, uninteressiert an meinem Gesprächspartner. Ich glaube nicht, dass das so stimmt. Aber ich denke, man kann mir im Gesicht ablesen, wenn ich ungeduldig werde und eigentlich kein Interesse an dem Gespräch habe. Mich verstellen kann ich nicht. Da bin ich leider zu authentisch.
Nähe. Ich habe eine Kollegin, die das vollkommene Gegenteil von mir ist. Sie nimmt jeden in die Arme, jeder wird gedrückt, ob er das nun will oder nicht. Als sie neu bei uns anfing, wirkte sie auf mich vollkommen distanzlos, und darum distanzierte mich erst recht von ihr, was sie wiederum spürte. Wir führten daraufhin ein klärendes Gespräch und nun arbeiten wir nicht mehr auf Distanz.
Grenzen ziehen. Ich bin bekennende "Nacktschläferin", aber ich habe ein Problem damit, wenn einer meiner Söhne in mein Bett am Samstag morgen krabbelt und aus Spaß mich an meinen erogenen Zonen berührt. Ich habe ihnen erklärt, dass Po und Brüste dem Papa vorbehalten sind. Da haben ihre Finger nix zu suchen, auch nicht aus Jux (punkt)
Hingegen soll es Mütter geben, die sich zu ihrem nackten Jungen ins Bett legen und mit ihm einfach nur erzählen. Ich finde das nicht nur merkwürdig, sondern vor allem nicht richtig, schließlich ist es die private Zone und Intimsphäre des Sohnes. Jedes Berühren oder Nähern meinerseits des nackten Körpers meines Sohnes setzt für mich sein Einverständnis voraus, so frage ich denn auch, ob ich mir z.B. seinen Po ansehen darf, wenn es aus wirklich medizinischen Gründen (Juckreiz etc.) notwendig ist.
Es gibt aber auch Väter, die den nackten Bauch ihrer zwölfjährigen Tochter massieren, wenn sie gerade unter Bauchschmerzen leidet. Ich halte das für nicht notwendig.
Manche Omas finden es ganz toll von ihren Enkelkindern auf die Wange zur Begrüßung oder Verabschiedung geküsst zu werden. Ich kenne eine Oma, die wollte dem Jungen das "anerziehen". Ich habe ihren Wunsch vernommen und bin innerlich fast aus der Haut gesprungen. Küssen kann man nicht erziehen. Küssen ist eine Geste, die von Herzen kommt. Wie viel mehr wiegt da doch ein Juchzer eines kleinen Jungen, der sich freut, dass der Opa wieder da ist?
Grenzen ziehen und zu den Grenzen stehen, das ist unwahrscheinlich schwer, weil man oft einen Menschen abwehrt, der es zunächst offensichtlich gar nicht böse meint. Im Gegenteil: Oft hat er ein gut gemeintes Ansinnen. Ob es wirklich gut tut, muss ich aber für mich selber entscheiden.
"Bis hierhin und nicht weiter!" So lernen es die Kinder.
"Bis hierhin und nicht weiter!" Das sollten auch Erwachsene sagen.
Ich treffe auf altbekannte Gesichter und mir vollkommen unbekannte.
Man erhebt sich, begrüßt sich. Die mir bekannten Menschen grüße ich gerne mit Handschlag, Umarmung, Küsschen links, Küsschen rechts; den Neuen hingegen reiche ich nur meine Hand, mehr nicht, stelle mich aber freundlich mit Namen vor. Ich spüre die leichte Irritation bei meinem Gegenüber, aber ich mag einfach nicht jedem gerne meine Wange hinhalten. Warum auch? Warum sollte ich so viel Nähe zu Menschen zulassen, mit denen ich vorher wirklich noch nie ein Wort gewechselt habe. Ich stehe zu meiner Grenze.
Nähe. Mir wurde oft gesagt, dass ich distanziert wirke, uninteressiert an meinem Gesprächspartner. Ich glaube nicht, dass das so stimmt. Aber ich denke, man kann mir im Gesicht ablesen, wenn ich ungeduldig werde und eigentlich kein Interesse an dem Gespräch habe. Mich verstellen kann ich nicht. Da bin ich leider zu authentisch.
Nähe. Ich habe eine Kollegin, die das vollkommene Gegenteil von mir ist. Sie nimmt jeden in die Arme, jeder wird gedrückt, ob er das nun will oder nicht. Als sie neu bei uns anfing, wirkte sie auf mich vollkommen distanzlos, und darum distanzierte mich erst recht von ihr, was sie wiederum spürte. Wir führten daraufhin ein klärendes Gespräch und nun arbeiten wir nicht mehr auf Distanz.
Grenzen ziehen. Ich bin bekennende "Nacktschläferin", aber ich habe ein Problem damit, wenn einer meiner Söhne in mein Bett am Samstag morgen krabbelt und aus Spaß mich an meinen erogenen Zonen berührt. Ich habe ihnen erklärt, dass Po und Brüste dem Papa vorbehalten sind. Da haben ihre Finger nix zu suchen, auch nicht aus Jux (punkt)
Hingegen soll es Mütter geben, die sich zu ihrem nackten Jungen ins Bett legen und mit ihm einfach nur erzählen. Ich finde das nicht nur merkwürdig, sondern vor allem nicht richtig, schließlich ist es die private Zone und Intimsphäre des Sohnes. Jedes Berühren oder Nähern meinerseits des nackten Körpers meines Sohnes setzt für mich sein Einverständnis voraus, so frage ich denn auch, ob ich mir z.B. seinen Po ansehen darf, wenn es aus wirklich medizinischen Gründen (Juckreiz etc.) notwendig ist.
Es gibt aber auch Väter, die den nackten Bauch ihrer zwölfjährigen Tochter massieren, wenn sie gerade unter Bauchschmerzen leidet. Ich halte das für nicht notwendig.
Manche Omas finden es ganz toll von ihren Enkelkindern auf die Wange zur Begrüßung oder Verabschiedung geküsst zu werden. Ich kenne eine Oma, die wollte dem Jungen das "anerziehen". Ich habe ihren Wunsch vernommen und bin innerlich fast aus der Haut gesprungen. Küssen kann man nicht erziehen. Küssen ist eine Geste, die von Herzen kommt. Wie viel mehr wiegt da doch ein Juchzer eines kleinen Jungen, der sich freut, dass der Opa wieder da ist?
Grenzen ziehen und zu den Grenzen stehen, das ist unwahrscheinlich schwer, weil man oft einen Menschen abwehrt, der es zunächst offensichtlich gar nicht böse meint. Im Gegenteil: Oft hat er ein gut gemeintes Ansinnen. Ob es wirklich gut tut, muss ich aber für mich selber entscheiden.
"Bis hierhin und nicht weiter!" So lernen es die Kinder.
"Bis hierhin und nicht weiter!" Das sollten auch Erwachsene sagen.
momente - 7. Nov, 23:30
7 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks
ellebelle - 8. Nov, 09:57
Ich hasse es geradezu, wenn mir jemand zur Begrüßung um den Hals fällt und theatralisch Küsschen verteilt, als wären wir blutsverwandt, hätten uns tausend Jahre nicht gesehen und wurden gerade aus den Fängen eines Kanibalenstammes gerettet. Nichts gegen Umarmungen und Küsschen, aber alles zu seiner Zeit und alles in die richtige Situation, denn körperliche Nähe ist mehr als nur eine Floskel. Zumindest mir.
momente - 8. Nov, 10:21
Oh ja.
caliente_in_berlin - 8. Nov, 10:03
Ich kann das gut verstehen. Ich bin ein äußerst anhänglicher und körperkontaktfreudiger Mensch - aber nur mit Personen, die mir sehr nah stehen und denen ich vertraue. Alles andere kommt mir falsch und gespielt vor und lässt mich regelrecht unwohl fühlen. Und dann denke ich immer über mich nach...bin ich diejenige, die zu kühl ist? Bin ich ohne Gefühle, ohne Herzlichkeit? Aber ich mag es einfach nicht, wenn irgendjemand Beliebiges mir zu nahe kommt...das ist mein Bereich...und den schütze ich dann eben indem ich auf Distanz geh. Was wiederum den Missmut des anderen hervorruft...
momente - 8. Nov, 10:21
an der Stelle wäre mir der Missmut der anderen auch egal.
C. Araxe - 9. Nov, 08:11
Einer der Gründe, die für Norddeutschland sprechen: da ist man meist distanzierter. Aus meiner Sicht angenehm distanzierter.
momente - 9. Nov, 11:25
Als Rheinländer empfinde ich sie denn doch manchmal als unterkühlt, aber.... da hat jeder wahrscheinlich seinen höchst eigenen Erfahrungsschatz.
Bina79 (Gast) - 9. Nov, 12:58
Für mich ist und bleibt körperliche Nähe etwas besonderes. In einem Kreis von 30cm um mich rum will ich nur jemand haben, der mir wichtig ist. Alles andere wirkt für mich nur oberflächlich und aufgesetzt.
Wenn ich Väter/ Onkels ihre Töchter/Nichten oder auch Mütter/Tanten ihre Söhne/Neffen "betaschten" sehe, leuchtet bei mir immer eine rote Lampe.
Nähe sollte doch der Ausdruck gegenseitiger Zuneigung sein...
Wenn ich Väter/ Onkels ihre Töchter/Nichten oder auch Mütter/Tanten ihre Söhne/Neffen "betaschten" sehe, leuchtet bei mir immer eine rote Lampe.
Nähe sollte doch der Ausdruck gegenseitiger Zuneigung sein...
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