Bindung für's Leben
Die amerikanische Autorin Francine Klagsbrun (1993) betont, dass Geschwisterbindungen in die ersten vorsprachlichen Tage der Kindheit zurückreichen und oft bis ins hohe Alter bestehen. Sie sind die dauerhaftesten aller Bindungen. Eltern sterben, Freunde verschwinden, Ehen lösen sich auf. Aber Geschwister können sich nicht scheiden lassen. Und selbst wenn sie 20 Jahre nicht mehr miteinander sprechen, bilden Blutsverwandtschaft und gemeinsame Geschichte ein unauflösliches Band.
In diesen Tagen wandere ich immer wieder gedanklich in meine Kindheit und Jugend zurück. Ich bin die Älteste von drei Geschwistern, meine Schwester ist 5 Jahre jünger, mein Bruder 7 Jahre jünger als ich.
Als Kind hatte ich ein sehr inniges Verhältnis zu meiner Schwester, keiner durfte ihr etwas antun. Noch heute sehe ich mich selber im Badezimmertürrahmen stehn und mit meinen Eltern lauthals schimpfen, weil meine Schwester lautstark beim Haarewaschen schrie. Sie war die Kleine, die ich immer beschützte. Sehr prägend war ein kleiner Unfall für uns beide: Ich lief mit ihr über die Straße, sie stürzte und holte sich einen Schädelbasisbruch. Ich fühlte mich ziemlich besch*eiden - tagelang, und in mir nagten furchtbare Schuldgefühle. Aber bei Kleinkindern heilt glücklicherweise alles schneller.
Im Jugendalter wurde mir meine kleine Schwester allerdings lästig. Sie hängte sich immer an meinen Freundeskreis dran, weil es ja so viel cooler war mit den Großen abzuhängen.
Heute verbinden uns immer wieder unsere Kinder. Unsere Kleinen sind ungefähr gleich alt, so dass wir oft ähnliche Probleme haben. Ich würde unser Verhältnis als herzlich, aber nicht unbedingt innig beschreiben.
Zu meinem Bruder habe ich ein sehr einseitiges Verhältnis. Er ist körperlich und geistig schwerstbehindert. Als er geboren wurde, war ich schon 12 Jahre alt, so dass ich ihn eher betüttelte. Ein freundschaftliches Verhältnis konnte sich nie entwickeln. Er war das Nesthäkchen, stand mit seinen körperlichen Problemen immer im Vordergrund. Das Familienleben drehte sich sehr viel um ihn, auch wenn unsere Eltern immer wieder versuchten allen Kindern gerecht zuwerden. Ich habe mich stets sehr verantwortlich für ihn gefühlt, hatte immer bewußt und unterbewußt den Eindruck, ich müßte meinen Eltern in der Pflege helfen.
Als ich heiratete, hatte ich sehr mit mir kämpfen, diese Verantwortlichkeit abzulegen und "mein Leben" zu leben. In den letzten Jahren bemühe ich mich wieder um ein gesundes Verhältnis zu ihm. Ich muss mit dem Gedanken leben, dass ich irgendwann zumindest als Betreuer für ihn fungiere, wenn meinen Eltern es nicht mehr möglich ist.
Mir ist noch nie so bewusst gewesen, dass die Beziehung zu meinen Geschwistern, länger andauern wird als die zu meinen Freunden, Eltern oder gar zu meinem Ehepartner.
Ein Bruder oder eine Schwester zu haben, ist eine ganz besondere Gabe im Leben.
In diesen Tagen wandere ich immer wieder gedanklich in meine Kindheit und Jugend zurück. Ich bin die Älteste von drei Geschwistern, meine Schwester ist 5 Jahre jünger, mein Bruder 7 Jahre jünger als ich.
Als Kind hatte ich ein sehr inniges Verhältnis zu meiner Schwester, keiner durfte ihr etwas antun. Noch heute sehe ich mich selber im Badezimmertürrahmen stehn und mit meinen Eltern lauthals schimpfen, weil meine Schwester lautstark beim Haarewaschen schrie. Sie war die Kleine, die ich immer beschützte. Sehr prägend war ein kleiner Unfall für uns beide: Ich lief mit ihr über die Straße, sie stürzte und holte sich einen Schädelbasisbruch. Ich fühlte mich ziemlich besch*eiden - tagelang, und in mir nagten furchtbare Schuldgefühle. Aber bei Kleinkindern heilt glücklicherweise alles schneller.
Im Jugendalter wurde mir meine kleine Schwester allerdings lästig. Sie hängte sich immer an meinen Freundeskreis dran, weil es ja so viel cooler war mit den Großen abzuhängen.
Heute verbinden uns immer wieder unsere Kinder. Unsere Kleinen sind ungefähr gleich alt, so dass wir oft ähnliche Probleme haben. Ich würde unser Verhältnis als herzlich, aber nicht unbedingt innig beschreiben.
Zu meinem Bruder habe ich ein sehr einseitiges Verhältnis. Er ist körperlich und geistig schwerstbehindert. Als er geboren wurde, war ich schon 12 Jahre alt, so dass ich ihn eher betüttelte. Ein freundschaftliches Verhältnis konnte sich nie entwickeln. Er war das Nesthäkchen, stand mit seinen körperlichen Problemen immer im Vordergrund. Das Familienleben drehte sich sehr viel um ihn, auch wenn unsere Eltern immer wieder versuchten allen Kindern gerecht zuwerden. Ich habe mich stets sehr verantwortlich für ihn gefühlt, hatte immer bewußt und unterbewußt den Eindruck, ich müßte meinen Eltern in der Pflege helfen.
Als ich heiratete, hatte ich sehr mit mir kämpfen, diese Verantwortlichkeit abzulegen und "mein Leben" zu leben. In den letzten Jahren bemühe ich mich wieder um ein gesundes Verhältnis zu ihm. Ich muss mit dem Gedanken leben, dass ich irgendwann zumindest als Betreuer für ihn fungiere, wenn meinen Eltern es nicht mehr möglich ist.
Mir ist noch nie so bewusst gewesen, dass die Beziehung zu meinen Geschwistern, länger andauern wird als die zu meinen Freunden, Eltern oder gar zu meinem Ehepartner.
Ein Bruder oder eine Schwester zu haben, ist eine ganz besondere Gabe im Leben.
momente - 3. Apr, 21:00
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