7
Sep
2006

Ich hab' Angst, dass du stirbst

Wir mampfen beim McDonald Pommes und ChickenNuggets. Aufgeregt erzählt der Große von seinem Schaulausflug, wobei dieser eigentlich ganz nebensächlich ist, viel mehr geht es um die Busfahrt. Er durfte neben seiner Freundin sitzen und will die ganze Zeit dem Kleinen Kerl ein Geheimnis erzählen. Zweimal werde ich aufgefordert mich woanders hinzusetzen, aber ich beweg mich nicht vom Platz.

"Ich weiß doch eh, was dein Geheimnis ist."
"Wieso?"
"Du hast mit A. gekuschelt."
"Boah. Woher?.... Mann..."

Ich muss unwillkürlich grinsen und schmunzeln. Das ist so eine ehrliche, verspielte kindliche Liebe zwischen den beiden und ich kann mir ziemlich genau vorstellen, wie sie Arm in Arm im Bus sitzen.

Während ich meinen LatteMacchiato nippe, sehe ich, wie sich seine Augen mit Tränen füllen.

"Mußt du weinen? Aber warum denn?"
"Kann ich nicht sagen."
"Ist was mit A.?"
Kopfschütteln. Ich warte noch einen kurzen Moment. Dann spreche ich aus, was nicht gesagt werden darf.
"Du hast Angst, dass ich einmal sterbe, oder?" flüster ich leise.

*Das war mütterliche Intuition. Manchmal erspüre ich die Gedankengänge, weiß um vergangene Gespräche, sehe den Gefühlsritt, den das eigene Kind gerade durchlebt, und weiß was es denkt.*

In dem Augenblick brechen die Tränen hervor. Leise schluchzt er nur: "Du sollst nie ... weg sein."

Er wirft sich mitten im McDonald in meine Arme und versteckt sich unter der Jeansjacke. Immer wieder drücke ich ihn fest, streichel ihm über den Rücken, und versuch ihn zu beruhigen. Er will gar nicht mehr hervorkommen.

Der Kleine Kerl nutzt die Situation und isst alle Pommes und Nuggets auf. Immer wieder stopft er sich die Stäbchen in den Mund und leckt genießerisch die Finger ab. Der Große kriecht langsam wieder hervor, die fehlenden Pommes bemerkt er gar nicht mal. Wir gehen raus.
Der Kleine fragt dann doch noch mal - wie nebenbei:
"Warum hast du geweint?"
"Ach nichts," seine kurze Antwort.

Diesig

Manchmal wünsche ich mir ich könnte in die Zukunft blicken und wissen, was in 15 Jahren ist, wo meine Jungs dann stehen, wie sie drauf sind, was sie machen und wo ich selber bin.

Mit dem Blick in die Zukunft wüsste ich, was ich heute falsch mache, wie ich es besser machen könnte
- und würde mich vielleicht weiser verhalten.

Aber heute - heute bin ich ratlos und traurig.
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