Urkunden
"Yeeeeaaaah!" stürmt er mit der Urkunde davon. Gerade hat er mit seiner Gruppe den ersten Platz in einer Disziplin eines Turniers gemacht. Es war ein Gruppensieg, aber er läuft mit dem 1. Platz-Papier davon als ob es sein eigener, höchstpersönlicher Sieg wäre. Mein Lächeln begleitet ihn.
Urkunden.
Mein großer Kerl war auch total begeistert von seiner ersten Urkunde. Es war das Papier zu einem Unicef-Spendenlauf. Meine Begeisterung hielt sich in Grenzen, wusste ich doch, dass ich einiges an Geld für diesen Schein gelatzt hatte, aber er fand ihn großartig. Danach heftete er noch die Urkunde über die bestandene Judo-Prüfung an die Wand. Es folgten zig Leseurkunden und eine Bundesjugendspiele-Teilnahmeurkunde - die ganze Wand war damit zugepflastert und der kleine Mann war über jede stolz wie Oskar.
Sie gaben ihm Aufwind.
Ich selber hätte als Kind auch gerne einmal so eine Urkunde erhalten. Jedes Jahr fanden die Bundes-Jugend-Spiele statt. Mein sportliches Talent reichte nie für so ein Papier. Nix bekam ich. Äußerlich stand ich dort drüber - wußten meine Klassenkameraden doch sowieso, dass ich mehr einem nassen Mehlsack im Sportunterricht glich -, aber gefuchst hat es mich innerlich doch. Angestrengt habe ich mich nämlich immer, puterrot war mein Gesicht. Nur meine Begabung lag nun wirklich auf einem anderen Gebiet.
Urkunden - Zeichen dafür etwas erreicht zu haben. Sie signalisieren dir, dass die anderen es auch gemerkt haben: Du hast dich in einer Sache engagiert und Fortschritte gemacht. Dich entwickelt. Vielleicht bist du sogar richtig gut. Urkunden sind wie ein kleiner Wegweiser, ein Feedback, das dir hilft deine Stärken zu entdecken.
Letztes Jahr habe ich meine erste Urkunde meines Lebens erhalten. Sie galt der Teilnahme beim Halb-Marathon in Köln. Ich habe diese Urkunde aufbewahrt. Aber ehrlich gesagt, hat sie mir nicht so viel bedeutet. Kann es sein, dass sich im Alter die Papiergläubigkeit verliert? ;-) Ist schon merkwürdig. Das Event war mir wichtiger. Es war einfach ein tolles Erlebenis.
Aber wenn ich mir anschaue, wie so ein kleines Stück Papier einem Kind Flügel verleiht, so wünsche ich mir viele solcher Zettel, weil sie so wunderbar das Selbstbewußtsein stärken und den Glauben daran etwas erreichen zu können.
Der Junge, der heute Abend mit seiner "Team"-urkunde davonlief ist ein absoluter Schulversager, hat nur Stress mit seinen Eltern und den Lehrern. Manchmal auch mit mir. Aber ich wette, heute Nacht schläft er mit der Urkunde auf seinem Kopfkissen. ;-))
Urkunden.
Mein großer Kerl war auch total begeistert von seiner ersten Urkunde. Es war das Papier zu einem Unicef-Spendenlauf. Meine Begeisterung hielt sich in Grenzen, wusste ich doch, dass ich einiges an Geld für diesen Schein gelatzt hatte, aber er fand ihn großartig. Danach heftete er noch die Urkunde über die bestandene Judo-Prüfung an die Wand. Es folgten zig Leseurkunden und eine Bundesjugendspiele-Teilnahmeurkunde - die ganze Wand war damit zugepflastert und der kleine Mann war über jede stolz wie Oskar.
Sie gaben ihm Aufwind.
Ich selber hätte als Kind auch gerne einmal so eine Urkunde erhalten. Jedes Jahr fanden die Bundes-Jugend-Spiele statt. Mein sportliches Talent reichte nie für so ein Papier. Nix bekam ich. Äußerlich stand ich dort drüber - wußten meine Klassenkameraden doch sowieso, dass ich mehr einem nassen Mehlsack im Sportunterricht glich -, aber gefuchst hat es mich innerlich doch. Angestrengt habe ich mich nämlich immer, puterrot war mein Gesicht. Nur meine Begabung lag nun wirklich auf einem anderen Gebiet.
Urkunden - Zeichen dafür etwas erreicht zu haben. Sie signalisieren dir, dass die anderen es auch gemerkt haben: Du hast dich in einer Sache engagiert und Fortschritte gemacht. Dich entwickelt. Vielleicht bist du sogar richtig gut. Urkunden sind wie ein kleiner Wegweiser, ein Feedback, das dir hilft deine Stärken zu entdecken.
Letztes Jahr habe ich meine erste Urkunde meines Lebens erhalten. Sie galt der Teilnahme beim Halb-Marathon in Köln. Ich habe diese Urkunde aufbewahrt. Aber ehrlich gesagt, hat sie mir nicht so viel bedeutet. Kann es sein, dass sich im Alter die Papiergläubigkeit verliert? ;-) Ist schon merkwürdig. Das Event war mir wichtiger. Es war einfach ein tolles Erlebenis.
Aber wenn ich mir anschaue, wie so ein kleines Stück Papier einem Kind Flügel verleiht, so wünsche ich mir viele solcher Zettel, weil sie so wunderbar das Selbstbewußtsein stärken und den Glauben daran etwas erreichen zu können.
Der Junge, der heute Abend mit seiner "Team"-urkunde davonlief ist ein absoluter Schulversager, hat nur Stress mit seinen Eltern und den Lehrern. Manchmal auch mit mir. Aber ich wette, heute Nacht schläft er mit der Urkunde auf seinem Kopfkissen. ;-))
momente - 18. Apr, 22:14
9 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks
CineMare - 21. Apr, 08:54
Da hast Du recht.
Der Weg (das Laufen) ist wichtiger als das Ziel (die Urkunde). ;-)
Der Weg (das Laufen) ist wichtiger als das Ziel (die Urkunde). ;-)
momente - 24. Apr, 09:46
... ein gutes Körpergefühl ist mir heute auf jeden Fall wichtiger als ein Scheinchen.....
Chaot35 - 21. Apr, 10:11
Du hast nicht nur eine Urkunde bekommen, sondern auch eine Medalie! Und ja. Es war ein tolles Erlebnis:-)
momente - 24. Apr, 09:48
....Kölsch in Plastikbechern hat noch nie so gut geschmeckt wie danach ... ;-)
schlafmuetze - 22. Apr, 12:02
Auch wenn der Weg das Ziel sein sollte ..
ich hätte mich auch über eine Urkunde bei den Bundesjugendspielen gefreut :-))
Als Kind braucht man mal ab und zu die Anerkennung. Und dem von dir beschriebenen Jungen tut sie ganz bestimmt gut.
Schulversager benötigen weitaus mehr Zuspruch, nicht nur Zoff.
Liebe Grüße :-)
Als Kind braucht man mal ab und zu die Anerkennung. Und dem von dir beschriebenen Jungen tut sie ganz bestimmt gut.
Schulversager benötigen weitaus mehr Zuspruch, nicht nur Zoff.
Liebe Grüße :-)
momente - 24. Apr, 09:49
Das tut nicht gut immer der letzte auf der Bank zu sein....
MephistoBS - 23. Apr, 14:30
"Im Alter", selbst in unseren ja NOCH SEHR JUNGEN JAHREN, verschieben sich vermutlich die Prioritäten. Ich habe bei einer Aufräumaktion im letzten Jahr eine Medaille weggeworfen, die ich in meiner Jugend beim Wasserballwettkampf gewonnen hatte. Abgesehen von einem seichten Grinsen angesichts der kurzfristig hochkommenden Erinnerungen hat das Teil keine weitere Bedeutung mehr gehabt. Meine Schwimmurkunden sind glaube ich auch schon alle im Altpapier.
Wichtig ist aber nur der Moment. Und wenn sich der Bursche über die Urkunde freut wie Lumpi, dann soll er das auch möglichst lange auskosten :-)
Wichtig ist aber nur der Moment. Und wenn sich der Bursche über die Urkunde freut wie Lumpi, dann soll er das auch möglichst lange auskosten :-)
momente - 24. Apr, 09:51
Du hast sie weggeworfen? Du bist aber hart zu dir.
Ich habe die Tage noch meine Fahrradführerschein im Keller entdeckt. ;-)))
Ich habe die Tage noch meine Fahrradführerschein im Keller entdeckt. ;-)))
MephistoBS - 24. Apr, 23:48
Dem kurzen Moment der Härte folgt eine lange Phase mit weniger Balast aus der Vergangenheit. Die Erinnerungen im Kopf bleiben ja :-)

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